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Meer-Ruhe für die Schweinswale vor Sylt

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Die Rammarbeiten auf der Offshore Windpark-Baustelle Butendiek 32 km westlich von Kampen werden in diesen Tagen abgeschlossen. Dies teilte Berge Olsen, Geschäftsführer des Butendiek-Konsortioms WPD auf einer Podiumsdiskussion des Erlebniszentrums für Naturgewalten am Samstag auf Sylt mit. In den vergangenen Monaten wurden 80 Monopiles vom stärksten Schwimmkran der Welt bei rund 20 Meter Wassertiefe in den Meeresboden gerammt. Schweinswale und Kampener Strandurlauber haben dann also wieder mehr Ruhe, denn man konnte in den vergangenen Wochen die Rammstösse tatsächlich als schwaches Wummern bis zur Insel hören. Laut Olsen, sei dabei der vorgeschriebene Grenzwert für die Rammlautstärke von 160 Dezibel ab 750 Meter zur Baustelle weitgehend eingehalten worden (Ab 164 Dezibel wird das Gehör der Kleinwale geschädigt).
Sylter Naturschutzverbände und der NABU hatten vorige Woche beklagt, dass durch die Bauarbeiten das Europäische Meerresschutzgebiet „Sylter Aussenriff“ erheblich entwertet wurde.

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Bis vor wenigen Tagen unter Verschluss gehaltene Flugzählungen des Bundesamtes für Naturschutz deuten nach Ansicht von Naturschutzverbänden darauf hin, dass im Juni 2014 im EU-Schutzgebiet deutlich weniger Schweinswale und Mutter/Kalbgruppen registriert wurden, als in den Vorjahren. Der Sylter Biologe Lothar Koch fordert daher für die Zukunft einen Rammstopp bei Offshore-Plattformen während der Kalbungs-und Paarungszeit der streng geschützten Kleinwale.

Dr. Kim Detloff, Meeresexperte des NABU, unterstrich erneut die Notwendigkeit der zur Zeit laufende Verbandsklage gegen die Genehmigungsbehörde BSH und die verantwortliche Naturschutzbehörde BfN:
Das Verfahren Butendiek wurde naturschutzrechtlich unsauber abgearbeitet. Industrieanlagen in Meeresschutzgebieten müssen in Zukunft zum NO-GO werden. Nun hofft der NABU, dass seine Klage wenigstens noch der wichtigen Population von dort lebenden und ebenfalls streng geschützten Stern- und Prachttaucher zu Gute kommt, und dass zukünftige Genehmigungen geltendes Naturschutzrecht einhalten.

Walschutz vor Sylt- Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen?

 

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v.Links:Lothar Koch,Roland Klockenhoff, Andreas Tietze,Norbert Grimm

Naturschutzverbände fordern zum Artenschutz-Event der Grünen mehr Engagement und Information für Sylter Schweinswale von Bund und Land

 

 

Während im FFH-Schutzgebiet „Sylter Aussenriff“, rund  32 km nordwestlich der Insel, auf der Baustelle des Windparks Butendiek die Rammarbeiten mit Getöse weiter gehen, sorgen sich die Schutzstation Wattenmeer, die Naturschutzgemeinschaft Sylt und das Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt, um besseren Schutz und mehr Information für die bedrohten Meeressäuger und Seevögel im Weltnaturerbe.

Obwohl seit März 2014 ein Firmenkonsortium in Sichtweite der Insel über 80 Rotoren von mindestens 150 m Höhe in den Meeresboden hämmert, gibt es auf Sylt keine umfassenden Informationen über das naturgefährdende Potential dieser Mega-Baumassnahme.

Auf Sylt weiss niemand Genaues, aber Mutmassungen gibt es viele: Z.B., dass weniger Schweinswal-Mutter-Kalb-Gruppen dieses Frühjahr vor dem Weststrand auftauchen, als in den Vorjahren. Um das wissenschaftlich abzuklopfen, müssten Walzählungen der vergangenen Jahre mit aktuellen Erhebungen verglichen werden. Inwieweit das seitens der Naturschutzämter verlässlich geschieht, ist auf Sylt nicht bekannt.

„Wir sind verunsichert und fordern mehr Transparenz und aktuelle Bürgerinformation von den Betreibern und den zuständigen Bundesämtern zu den Auswirkungen des Windparks auf die Meeresumwelt, sagt Dr. Roland Klockenhoff (Naturschutzge-meinschaft Sylt) im Gespräch mit dem Grünen Landtagsabgeordneten  Dr. Andreas Tietze.

Lothar Koch, Walexperte der Schutzstation Wattenmeer, mahnt an, daß auch die Landesregierung ihr Informationspotential hinsichtlich der bedrohten Tierarten im Weltnaturerbe Wattenmeer nicht optimal erfüllt.

„Das Walschutzgebiet wird auf Sylt seit 14 Jahren gut vor der Öffentlichkeit versteckt“ so Koch.  Bisher sind, trotz jahrelangen Bittens der Verbände und Sylter Gemeinden,  keinerlei attraktive Informationseinrichtungen zum Wal-und Meeresvogelschutz auf die viel frequentierten Promenaden und Strandübergänge der Insel  platziert worden. „Schleswig-Holstein verschenkt damit ohne Not eine optimale Möglichkeit, Millionen von Besuchern über Sinn und Zweck des ersten europäischen Walschutzgebietes im Weltnaturerbe zu informieren“, so der Biologe.

Dr. Matthias Strasser vom Zentrum für Naturgewalten Sylt erläutert: „Die Ausweisung von Schutzgebieten ist ein wichtiger Schritt, um den Lebensraum der Kleinwale zu sichern. Dieses sollte auch mit strategischen Inhalten gefüllt werden, wie beispielsweise durch die Aufstellung von naturschutzfachlichen Management- und Monitoringplänen für die kommenden Jahre.“!
Alle drei Verbände fordern zum Walschutzgebiet weitere flankierende Artenschutzmassnahmen, denn „weder Schallwellen, noch Wale halten sich an die offiziellen Gebietsgrenzen“.

Für die Verbände:

Naturschutzgemeinschaft Sylt, Schutzstation Wattenmeer und das Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt

 

Gestrandeter Zwergwal von Sylt wahrscheinlich verhungert!

Hägglunds heißt das wattgängige Kettenfahrzeug des LKN, das nicht nur Öl, sondern auch Wale bergen kann. Am 7. August kam es bei Sylt zum Einsatz, wo 500 Meter nördlich vom Hindenburgdamm ein Wal mittlerer Größe im Watt entdeckt wurde.
Laborergebnisse liegen noch nicht vor, allerdings fiel nach Angaben von ITAW-Leiterin Prof. Dr. Ursula Siebert bei der Obduktion auf, dass der Wal recht mager war, relativ viele Darmparasiten enthielt und kaum Nahrung im Magen-Darmtrakt zu finden war. Das Tier ist also möglicherweise durch Nahrungsmangel umgekommen. Auf der Speisekarte von Zwergwalen stehen kleinere Fische (Actinopterygii) wie Heringe (Clupeidae), insbesondere Sprotten (Sprattus) und Sardinen (Sardina pilchardus). Aber auch Sandaale (Ammodytidae), Krill (Euphausiacea), Flohkrebse (Amphipoda), und Ruderfußkrebse (Copepoda). Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen in geringer Tiefe, meist in unmittelbarer Nähe zur Wasseroberfläche. Zwergwale sind wie alle Bartenwale (Mysticeti) Filtrierer.„Ungewöhnlich an der Bergung war vor allem, dass sie sehr schnell vonstatten ging“, so Dr. Thomas Borchardt, Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung. „Immer wenn größere Wale stranden, geht es zunächst darum, wer den Wal und damit auch die für die Bergung anfallenden Kosten übernehmen will oder muss. Diese liegen bei Kleinwalen bei wenigen Euro, können aber bei Großwalen den fünfstelligen Bereich überschreiten. Im Idealfall findet man ein Museum, das für die Bergung aufkommt und im Gegenzug das Skelett des Tieres zu Ausstellungszwecken verwendet.“

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Bartenwal in der Ausstellung fehlt, um den Besuchern die unterschiedlichen Fressmethoden von Zahn- und Bartenwalen zu vermitteln“, erklärt Dr. Gerd Meurs, Leiter des Mulimar Wattforums in Tönning. „Deshalb habe ich zugesagt, den gestrandeten Wal zu übernehmen.“ Die Bergung konnte somit zügig vonstatten gehen und der Kadaver in einem guten Zustand ans Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum geliefert werden. Zunächst war noch unklar, ob das gut 6 Meter lange Tier ein Finnwal-Junges oder ein Zwergwal war, wodurch die ersten Berichterstattungen etwas widersprüchlich ausfielen. Die beiden Bartenwal-Arten ähneln sich stark, Finnwale können jedoch mit bis zu 20 Metern gut doppelt so lang wie Zwergwale werden. Mittlerweile steht fest, dass es sich um ein etwa zwei Tonnen schweres Zwergwal-Weibchen handelt.

Das Skelett des Säugers soll nun von einem Präparator freigelegt und für die Ausstellung hergerichtet werden. Wenn alles gut läuft, wird der Wal um Ostern im Multimar Wattforum zu sehen sein und zur anschaulichen Aufklärung über die Unterschiede zwischen Zahn- und Bartenwalen beitragen.
Quelle: Nationalparknachrichten September 2012 des NP SH-Wattenmeer (Raphaela Betz)