Bereits am Freitagabend den 15.2.2025 wurde der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum / Sylt ein Wal gemeldet, der westlich vor der Insel treiben würde. Am Samstag früh trieb der Kadaver südlich der Hörnum-Odde und später östlich des Ortes. Muschelfischer schleppten ihn schließlich vor den Hafen und sicherten ihn dort. Das männliche, etwa 12 bis 14 Meter lange Tier ist offenbar schon einige Zeit tot. Voraussichtlich am Montag soll es genauer untersucht und dann abtransportiert werden.
Bis dahin sollte man sich dem stinkenden Kadaver auch nicht per Boot nähern. Wegen der Verwesungsgase liegt er entsprechend hoch im Wasser und ist am Rücken offenbar schon einmal aufgeplatzt. Unter dem Druck der Gase könnte er auch an anderen Stellen explosionsartig platzen.
Pottwale sind mit bis gut 20 m Länge und teils über 50 t Gewicht die größten Zahnwal der Welt. Sie sind Spezialisten im Tieftauchen und bleiben auf der Jagd oft 1,5 Stunden unter Wasser, wobei sie 3000 m Tiefe erreichen können. Verirren sich Pottwale in die flache Nordsee, stranden sie hier oft – wie zuletzt 2016, als 30 Pottwale hier verunglückten, davon 12 in deutschen Wattenmeer (https://www.schutzstation-wattenmeer.de/…/gestrandete…/).
Teilweise sterben die Wale auch an Plastik im Magen oder weil sie sich in Seile oder Netzreste verwickeln. Nur Männchen kommen bis in die Nordsee, da die nur etwa 12 m großen Weibchen kühle Gewässer meiden und in den Subtropen bleiben.
Der riesige vorgewölbte Kopf des Pottwals ist mit einem körpereigenen Öl gefüllt, das früher als Schmieröl sehr begehrt war. Die bis zu 30 cm dicke Speckschicht der Wale wurde ausgekocht und ergab z.B. Lampenöl, ehe das Petroleum aus Erdöl für diesen Zweck eingesetzt wurde.
Pottwale wurden ab etwa 1810 weltweit gejagt, wobei industrielle Fangschiffe um 1960 wahre Gemetzel mit bis zu 250.000 getöteten Pottwalen pro Jahr anrichteten. Die Jagd wurde 1983 verboten und es ist unklar, wie viele Pottwale es noch gibt, da sie weltweit wandern. Die Männchen ziehen im Sommer in die Polarmeere, wobei die jüngeren Bullen bis etwa zum 30. Lebensjahr in Gruppen wandern und so möglicherweise die Wege von älteren Gruppenmitgliedern kennenlernen. Dass seit einigen Jahrzehnten immer wieder ganze Gruppen von Jungbullen stranden, könnte ein Folge der Bejagung sein, die alle erfahrenen Bullen getötet hat und das Traditionswissen über sichere Zugwege zerstört haben könnte. Sonnenstürme, die das Magnetfeld der Erde „vernebeln“, sind auch oft Auslöser von Pottwalstrandungen.
Die Jagdtechnik der Pottwale ist noch immer noch nicht sicher erforscht, aber besteht vermutlich darin, dass sie Fische oder Tintenfische „bewusstlos brüllen“, also durch sehr laute Schallwellen von bis zu 230 dB lähmen und dann verschlucken. Kämpfe mit Tiefsee-Riesenkraken gibt es auch, manche Pottwale haben Abdrücke der Saugnäpfe dieser Tintenfische auf der Nase. Im Magen von Pottwalen finden sich oft Hunderte von Hornschnäbeln von Tintenfischen, was Rückschlüsse auf die letzten Mahlzeiten der Wale erlaubt.
„Die Schweinswale sind Syltern seit Jahrhunderten als kleine Tümmler oder Meerschweine bekannt. Ab Ende der 1960 Jahre jedoch, wurden bis ca. 1988 vor Sylt kaum noch Sichtungen und Totfunde registriert. In den achtziger Jahren erregte der WORLD WILDLIFE FUND (WWF) mit einer bei britischen Wissenschaftlern in Auftrag gegebenen Literaturstudie Aufmerksamkeit, in der auf einen Rückgang der Bestände und erhebliche Wissenslücken über die Tierart berichtet wurde. Inzwischen vermutet man, dass der Nordseebestand dieser Tierart damals um bis zu 90 % geschrumpft war. Wissenschaftliche Studien an lebendigen Walen in deutschen Gewässern gab es zu jener Zeit demzufolge nicht.
Die Tiergruppe „Wale“ wurde daher, auch seitens der Wissenschaft, nicht wirklich ernsthaft dem nationalen Tierartenkatalog zugeordnet. Forschungen an Cetaceen (Wale und Delphine) begrenzten sich in Deutschland auf Studien an musealen Knochenfunden dieser Meeressäugetiere und Kirchenchroniken über Walstrandungen. Aufgeschreckt durch Warnsignale des WWF im Jahre 1985 und aus der Wissenschaft äußerte die EUROPÄISCHE GESELLSCHAFT DER WALFORSCHER (ECS) auf ihrer ersten Konferenz im Jahre 1987 erstmals offiziell ihre Besorgnis um die Schweinswalbestände in nordeuropäischen Gewässern („Statement of concern“).
1988: Der Tod der Seehunde bringt Leben in den Meeressäugerschutz
Dann brach 1988 das große Seehundsterben mit über 23 000 toten Tieren über die Küsten der Nord-und Ostseestaaten herein und lenkte die Aufmerksamkeit auf den Schutz der heimischen Meeressäuger. Vor dem Hintergrund langjähriger Umweltschutzbemühungen in Nord- und Ostsee seitens zahlreicher Verbände, wie Greenpeace, Aktionskonferenz Nordsee, Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer und anderer, sowie dem seinerzeit ohnehin hochdiskutierten Thema Umweltverschmutzung, galt die massiv sichtbare Seuche unter den Nordseerobben als aufrüttelndes Warnsignal an die Politik, umgehend die Qualität der Hausmeere zu verbessern.
Bereits 1985 und 1986 waren an Schleswig-Holsteins und Niedersachsens Nordseeküste die Nationalparke Wattenmeer eingerichtet worden. Der Ausweisung dieser Schutzgebiete ging ein harter Diskussionskampf widerstreitenden Parteien voran (Fischern, Jägern, Bauern, Wassersportler, Tourismus versus Natur- und Umweltschutz). Fast alle Inselpolitiker zwischen Borkum und Sylt zeigten beim Thema Nationalpark wenig Begeisterung, weil sie Einschränkungen in der persönlichen Freiheit, dem Tourismus und beim Küstenschutz befürchteten. Das Seehundsterben änderte die Grundstimmung hinsichtlich des Meeresschutzes schlagartig. Plötzlich sammelten sich Entschlossene aus unterschiedlichsten Lagern, um etwas für „Ihre Nordsee“ zu tun. Zahlreiche Aktionen und Konferenzen folgten.
1989:Die Kegelrobben kehren zurück
Im Winter 1988/89 entdeckten Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum eine kleine weiße Robbe am Dünenfuß der Südspitze Sylts. Bald stellte sich heraus, dass es sich um eine neugeborene Kegelrobbe im Lanugofell handelte. Bis dahin hatte, bis auf wenige Experten, keiner vermutet und gewusst, dass es neben den Seehunden auch Kegelrobben in diesen Gewässern gab. Meine Mitarbeiter und ich mussten also mühsam Informationen zu dieser „neuen“ Tierart zusammenholen. Wir reisten bis an die Britische Ostküste, um Genaueres über die Kegelrobben in der Meeressäuger-Forschungsabteilung der Schottischen Universität St. Andrews zu erfahren. An der schottischen Küste leben in großen Zahlen Kegelrobben auf vorgelagerten Felsen. Dort lernten wir, dass die Tiere, ganz anders als Seehunde, ihre Jungen im Winter zur Welt bringen. Der Nationalpark Wattenmeer bekam also quasi eine „neue Tierart“, wenngleich später bekannt wurde, dass Knochenfunde von Archäologen die Anwesenheit der Tierart im Wattenmeer für das Mittelalter belegen. Der Fund des Kegelrobbenjungtiers von Sylt war schon eine kleine Sensation, die kurz vor Weihnachten für viel Anklang in der bundesweiten Presse sorgte, eben auch, weil es nach all den Schreckensmeldungen vom Seehundsterben, einmal eine positive Nachricht in Zusammenhang mit Robben an unserer Küste gab. So wurde also der Blick von Naturschützern und Medien immer mehr auf die Meeressäuger gelenkt und es war kein Wunder, dass im Jahr 1990 auch der Schweinswal zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses geriet.
1990: Durchbruch für die Schweinswal-Forschung
Das Nationalparkamt, der WWF und die Schutzstation Wattenmeer hatten bereits 1989 Meldebögen zur Erfassung von toten und lebendigen Schweinswalen drucken lassen, um angesichts der seit 1988 ansteigenden Totfunde mehr Licht ins Dunkel der Schweinswalverbreitung zu bekommen. Wir verteilten die Fragebögen an Segler, Insulaner und Urlauber, um Zufallssichtungen zu registrieren. Bald zeigte sich, dass der Rücklauf von Sichtungen immer mehr wurde.
Mit Hilfe dieser Aktivitäten konnte allmählich ein Entscheidungsdruck in Richtung Wissenschaft und Politik aufgebaut werden. Ab 1990 war es dann soweit: Es wurden der Universität Kiel Bundesmittel für ein ein dreijähriges Forschungsvorhaben mit dem Titel „Untersuchungen über Bestand, Gesundheitszustand und Wanderungen der Kleinwalpopulationen in deutschen Gewässern“, bewilligt. Das Projekt stand unter der Leitung Dr. HARALD BENKEs von der Universität Kiel.
Unterdessen, überlegten wir von der Schutzstation Wattenmeer, wie die Sichtungsdaten noch hieb- und stichfester erfasst werden könnten. Angeregt durch ein ehrenamtliches Walzählerprojekt an der britischen Küste, rief ich die auf Sylt aktiven Naturschutzverbände und interessierten Einzelpersonen zusammen und kreierte die erste Wal-Synchronzählung an der deutschen Küste.
Dieses Projekt unterschied sich von den Urlauber-Meldebögen durch seine Systematik und den berechenbaren Aufwand. An zwanzig Standorten zwischen List und Hörnum postierten sich alle vierzehn Tage Walzähler. Zur gleichen Zeit wurden also alle sichtbaren Wale entlang der ca. 40 km langen Westseite von Sylt gezählt. Die Synchronzählung brachte zuverlässigere Daten als die Zufallssichtung und wurde über 10 Jahre zwischen 1991 und 2000 durchgeführt. Der Vorteil war offensichtlich: Obgleich Wissenschaftler das Projekt skeptisch beäugten, konnten so eine fundiertere Informationsarbeit und damit auch eine glaubwürdigere Pressearbeit gestartet werden. Die Aussage mancher Sylter, es würde dort nur ein einziger Schweinswal auf- und abschwimmen, der von Urlaubern immer wieder gezählt werden würde, konnte mittels der Synchrondaten beispielsweise leicht entkräftet werden. Auch konnten wir so beweisen, dass sich die Kleinwale hier rund um´s Jahr, aber in höheren Zahlen im Frühjahr und Herbst einstellen. Und das Wichtigste: dass ab Juni überwiegend Mutter-Kalbgruppen gesichtet wurden. Wir hatten es also hier mit einer Kinderstube der Kleinwale zu tun.
1992: Durchbruch für den europäischen Kleinwalschutz
Ich erinnere mich noch genau, wie ich im Frühjahr 1990 im Büro der Schutzstations-Holzbaracke vor einer alten rostigen Schreibmaschine vom Typ „Gabriele“ saß. Computer gab es damals hier noch nicht. Ich tippte mit Gabriele eine denkwürdige Pressemitteilung, Schlagzeile: „Schweinswale kalben vor Sylt“. Diese Meldung verbreitete sich aus der kleinen Naturschutzhütte über die Presseagenturen wie ein Lauffeuer über die Republik und stand am nächsten Tag in allen Zeitungen. Es war der Beginn einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit für „Deutschlands kleine Wale“.
Zeichnung Martin Camm
Unser Sichtungsaufwand und unsere Pressearbeit, sowie Aktivitäten anderer Verbände, Ämter und Institute führten letztlich dazu, dass sich die EU dem Thema immer mehr annahm. Zahlreiche Anrainerstaaten unterzeichneten 1992 das Regionalabkommen zur Erhaltung der Schweinswale in Nord- und Ostsee (ASCOBANS). Gleichzeitig setzte die EU den Schweinswal auf Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. In Anhang II werden Tierarten gelistet, für die Schutzgebiete ausgewiesen werden sollten. Ab 1994 bewilligte die EU weitere Mittel für die Schweinswalforschung. Dr. Harald Benke und seine Kollegen bekamen den Zuschlag für weitere Forschung an Kleinwalen in deutschen Gewässern und europaweit wurde mit internationaler Beteiligung das SCANS-Projekt durchgeführt. Dieses Kürzel stand für eine breit angelegte Synchronzählung von Walen in Nord-und Ostsee, die mit Schiffen und Flugzeugen umgesetzt wurde und vier Wochen lang, im Sommer 1994 in einer konzertierten Aktion ablief. Dabei wurde deutlich, dass sich die Kleinwale in der Nordsee nicht flächendeckend gleichmäßig verteilen, sondern vermehrt an bestimmten Bereichen sammeln, sogenannten „Hot Spots“. Auch wurden Kalbungs- und Paarungsgebiete ausgemacht. Dass dazu auch die Gewässer vor Sylt und Amrum gehören, wurde mit SCANS nun wissenschaftlich bestätigt, nachdem wir von der Schutzstation es ja schon einige Jahre zuvor gemeldet hatten. Im gleichen Jahr verabschiedete der Bundestag das erste „Kleinwalgesetz“, das die gesetzliche Grundlage zur Umsetzung des europäischen ASCOBANS-Abkommen in Deutschland legte.
1996: Die neue Schutzgebietsdebatte
Die politische Forderung, nach einem Walschutzgebiet vor Sylt und Amrum, wurde offiziell erstmalig 1996 auf einer Konferenz der Deutschen Kleinwal-AG formuliert, einem Zusammenschluss deutscher Wissenschaftler, relevanter Ämter und Naturschutzverbandsvertreter. Diese Forderung traf mitten in die hitzige Debatte um die Novellierung des Nationalparkgesetzes des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeers von 1985. Als Grundlage für die Gesetzesnovellierung diente ein Ökosystem-Systemforschungsbericht, der die Forschung der vergangenen Jahrzehnte zusammenfasste und Verbesserungen anmahnte. Doch wieder gab es heftigen Gegenwind an der Küste zu dem Vorhaben, vor allem seitens der Fischerei und anderer Interessengruppen im Nationalpark. Auf Sylt war die Stimmung tendenziell jedoch pro Schweinswalschutzgebiet und Nationalpark. Westerlands Bürgermeisterin Petra Reiber und Vertreter des Landschaftszweckverbandes Sylt, ließen sich davon überzeugen, dass eine Ausweisung mehr Vor- als Nachteile für die insulare Entwicklung bringen würde.
1999: Europas erstes Walschutzgebiet ist besiegelt
Im Dezember 1999 war es nach einigen Jahren heftiger Auseinandersetzungen dann soweit: Im Zuge der Nationalparkgesetz-Novellierung wurde das erste europäische Schutzgebiet für Wale ausgerechnet vor zwei deutschen Nordseeinseln, nämlich Sylt und Amrum, ausgewiesen. Die unter Schutz gestellte Meeresfläche hat eine Größe von 124 000 Hektar (1240 qkm) und erstreckt sich zwischen der Dänischen Grenze und der Südspitze Amrums bis zur Zwölf-Seemeilen-Grenze als Zone 2 des Nationalparkes Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die offene Nordsee vor Sylt wurde so als ein wichtiges und schützenswertes Ökosystem aufgewertet, in dem neben den Schweinswalen auch Seehunde, Kegelrobben, Trauerenten, Stern- und Prachttaucher und viele andere bedrohte Meerestiere ein Refugium finden sollen. Dank einer jahrelangen, konzertierten und ausdauernden Aktion von Umweltverbänden, Naturschutzämtern und Forschungsinstituten ist heute deutlich geworden, dass die Nordsee nicht nur ein schönes Badegewässer und eine wichtige Fischereizone und Schifffahrtsstraße ist, sondern vor allem ein lebendiges, schützenswertes Ökosystem.
https://www.natuerlich-sylt.com/wp-content/uploads/2018/08/Natreplogoklein.jpg00Lothar Kochhttps://www.natuerlich-sylt.com/wp-content/uploads/2018/08/Natreplogoklein.jpgLothar Koch2025-02-15 09:19:402025-02-15 09:19:40Der Weg zum Walschutzgebiet- eine Erfolgsgeschichte im Naturschutz
Joshua Hirschfeld von der Sylter Rundschau im Gespräch mit Lothar Koch zum 25. jährigen Bestehen des Walschutzgebietes vor Sylt
Herr Koch, die Zahl der Schweinswale vor Sylt geht zurück. Jährlich um 3,8 Prozent, glaubt man der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Hand aufs Herz: Das Walschutzgebiet hat‘s nicht gebracht, oder?
Lothar Koch/ Foto: J.Hirschfeld/SR
Man muss das grössere Bild sehen, also das Schutzgebiet nordseeweit einordnen. Das sylter Walschutzgebiet ist nur ein kleiner Mosaikstein von vielen notwendigen Meeresschutzmassnahmen. Sylt ist nach wie vor ein wichtiges Kalbungs- und Aufzuchtgebiet für Schweinswale. Deswegen bleibt das Schutzgebiet unverzichtbar.
Dennoch: Die Zahl der Schweinswale vor Sylt geht zurück. Gleichzeitig ist der Bestand in der gesamten Nordsee relativ stabil. Wie kann das sein, wenn es doch hier extra ein Walschutzgebiet gibt?
Es gibt sicher viele Faktoren, die da reinspielen. Faktor Nummer eins wird das Nahrungsangebot sein. Aber auch Störungen durch Windparks und Schiffe können eine Rolle spielen. Der Schweinswalbestand verlagert sich von hier offenbar südwestwärts Richtung Holland. Das verwundert, denn besonders im Walschutzgebiet ist es deutlich ruhiger als dort. Vor den ostfriesischen Inseln zum Beispiel haben wir eine der meistbefahrenen Schifffahrtslinien Europas. Aber: Schweinswale müssen permanent fressen, um zu überleben. Alles andere ist da nachgeordnet. Der Schweinswal entscheidet sich dann das Risiko einzugehen, in einen gestörten Bereich zu wandern, wenn nicht genug Nahrung verfügbar ist.
Das bedeutet, dass eines der Ziele des Walschutzgebiets, das Nahrungsangebot für die Schweinswale vor Sylt stabil zu halten, verfehlt wurde.
Man kann das Thema Nahrung nicht auf die relativ kleine Fläche des Walschutzgebietes beziehen. Hier geht es eher um grössere Küstenwanderungen geeigneter Nahrungsfische, denen die Schweinswale hinterher ziehen. Dennoch, Die Fischerei unterliegt in den Meeresschutzgebieten kaum Einschränkungen. Besonders die Stellnetz- Fischerei ist der Faktor, der Schweinswale am meisten durch unbeabsichtigten Beifang gefährdet.. Und es gelang bisher nicht, diese aus den Schutzgebieten zu verbannen. Die internationale Fischerei hat eine stärkere Lobby als der Meeresschutz.
Es gab also von Anfang an Lücken im Konstrukt Walschutzgebiet?
Ja. Aber in den Neunzigern waren wir Naturschützer erstmal froh, dass wir das Schutzgebiet als solches überhaupt durchbekamen. Nach dem Motto: Wenn wir erstmal einen Rahmen haben, kann man in langsam reinarbeiten und die Schutzgebietsmaßnahmen verbessern. Das ist jetzt 25 Jahre her. Und man muss sagen, da ist seitens des Gesetzgebers leider relativ wenig passiert. Das Land Schleswig-Holstein hat das Walschutzgebiet damals dankenswerter Weise ausgewiesen und so auch später das Prädikat Weltnaturerbe Wattenmeer möglich gemacht. Inhaltliche Qualitätsverbesserungen im Sinne des Naturschutzes bleiben bis auf ein wenig Bildungsarbeit mit dem Sylter Walpfad jedoch aus.
Trotzdem halten Sie das Walschutzgebiet für einen Erfolg?
Ja. Laut Unesco darf sich der Zustand des Gebietes nicht verschlechtern. Wir haben diesen Mindestschutz, und der kann verbessert werden. Der Druck, das auch tatsächlich zu tun, nimmt zu: Denn die Schweinswale der zentralen Nordsee wandern offenbar mehr Richtung südliche Nordsee. Der Windkraft-Ausbau wird offshore gerade massiv angekurbelt. Ich rechne in den nächsten Jahren mit 14.000 neuen Windmühlen in deutschen Gewässern. Das wird massive Auswirkungen auf die Nordseeökologie, von Hochseevögeln, Robben und Schweinswalen haben.
Und dieser Ausbau ist im Walschutzgebiet verboten…
Das ist für uns Insulaner und den Tourismus sicher der wichtigste Effekt des Walschutzgebietes. Wir können dankbar sein, dass das in den Neunzigern so geklappt hat. Sonst hätten wir die Industrieanlagen sicher bald nahe der der Drei-Seemeilengrenze vor dem Strand stehen.
Und noch etwas: Die Meeresschutzgebiete dienen nicht nur den Schweinswalen sondern letztendlich dem gesamten marinen Nahrungsnetz. Trauerenten zum Beispiel. Von denen gibt es weltweit ungefähr eine halbe Million – bis zu 350000 wurden zeitweise auf dem Meer westlich von Sylt und Amrum geschätzt. Diese Fakten werden zu wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Sie sagen, die Regeln für das Schutzgebiet müssten nachgeschärft werden. Was konkret müsste denn aus Ihrer Sicht passieren? Sie sprachen schon die Fischerei an.
Für die Fischerei fordere ich konkret, dass die Stellnetzfischerei im Walschutzgebiet vollständig verboten wird. Schnellbootkorridore für Windparks durch das Schutzgebiet sind ein „No-Go“. Die müssten verlegt oder auf 12 Knoten gebremst werden. Ein weiteres Manko ist der ungeschützte 150-Meter-Streifen“ vor dem Strand. Sie können da im Moment, wenn sie wollen, mit einem Schnellboot den Streifen entlang brettern, solange sie nicht ins Badegebiet kommen. Ausserdem nehmen hier Elektro-Wassersportgeräte zu. Und das ist gerade der Bereich, wo die Wale mit ihren Kälbern im Sommer gern kleine Sandale jagen und und die Herzen der Strandspaziergänger erfreuen.
Ist die Umsetzung solcher Schritte in den nächsten Jahren denn realistisch?
Da kann ich keine Prognose abgeben.
Wäre es aus Ihrer Sicht denn heutzutage schwerer oder einfacher, das Walschutzgebiet durchzusetzen?
Es wäre heute schwieriger, glaube ich. In den Achtzigern, Neunzigern stand Nordseeschutz ganz oben auf der Agenda. Motivationen waren das Seehundsterben, Ölverschmutzungen an den Stränden und vieles andere mehr. Nordseeschutz war damals Topthema. Heute ist das anders. Heute geht‘s mehr um Klimaschutz. Und der Naturschutz steht hintenan. Dabei ist die Biodiversitätskrise ein genauso großes Problem wie die Klimakrise. Aber heute wird von der Politik vorrangig nach Flächen für Offshore-Windkraftanlagen gesucht, statt Nullnutzungszonen auf dem Meer auszuweisen. Da hätten wir ganz schlechte Karten. Deshalb bin ich froh, dass wir Europas erstes Walschutzgebiet damals vor Sylt durchsetzten konnten.
Der Sylter Biologe Lothar Koch war zwischen 1988 und 2003 Sprecher der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. und engagierte sich in dieser Funktion federführend für die Einrichtung des im Jahre 1999 ausgewiesenen Walschutzgebietes vor Sylt.
Koch ist Autor des Naturerlebnisführers „Natürlich Sylt“ und des Romans „Syltopia“.
https://i0.wp.com/www.natuerlich-sylt.com/wp-content/uploads/2020/11/test0084-scaled.jpg?fit=2560%2C1639&ssl=116392560Lothar Kochhttps://www.natuerlich-sylt.com/wp-content/uploads/2018/08/Natreplogoklein.jpgLothar Koch2024-08-24 16:54:252024-08-24 17:02:03Fischerei hat die stärkere Lobby
Am kürzesten Tag des Jahres, also dem 21.12.2023 meldete ein Strandläufer gegen 15:15 Uhr bei heftigem Nordweststurm den Fund einer lebenden Schildkröte am Strand bei Gurtdeel (Hörnum).
Dank des Netzwerkes von Schutzstation Wattenmeer und Sylter Seehundjägern konnte sehr schnell gehandelt werden. Die Telefone liefen heiss zwischen Biologen aus Sylt, Hamburg, Belgien und Stralsund um herauszufinden, wie mit dem selten Gast umzugehen ist um ihn am Leben zu halten. Am Ende war klar: Es handelt sich um eine Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta). Diese Tiere leben normalerweise in warmen Gewässern des Mittelmeeres und des Atlantiks, kommen aber mit dem Golfstrom auch hin und wieder hoch in den Norden. Die Art ist strengstens geschützt (Washingtoner Artenschutzabkommen).
In Belgien war vor rund vier Wochen bereits eine solche Schildkröte am Strand geborgen und in ein Sealife Center gebracht worden. Dort wurde sie verarztet und langsam an wärmere Wassertemperaturen gewöhnt. Das ist entscheidend, da die Schildkröte sonst angesichts des 1-4 Grad kalten Nordseewassers, in dem sich das Tier lange aufhielt, bei plötzlicher Temperaturerhöhung einen Schock erleiden könnte. Die belgische Caretta konnte überleben und ist jetzt der Star im Sealife Center Blankenberge.
Das Tier vom Hörnumer Strand scheint geschwächt und blutet aus dem Schnabel. Die Sylter Seehundjäger brachten die Schildkröte nach Absprache mit dem zuständigen Landesamt erstmal in ein Becken des Sylt-Aquariums. Hier soll sie von Fachleuten untersucht und verarztet werden.
Aktualisierung am 22.12.2023:
Törtel, wie die Meeresschildfkröte inzwischen liebevoll genannt wird, lebt! Sie hat die Sturmnacht im sicheren Sylt Aquarium verbracht, befindet sich in einem kleineren Becken mit kleiner Ruheinsel. Sie macht laut Aussagen des Aquariumleiters zumindest keinen schlechten Eindruck. Man steht mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover telefonisch in Verbindung und auch die Kontakte zu Experten im Ozeaneum Stralsund und Rotterdam stehen zur Verfügung. Einen Fach-Tierarzt, der sich mit Schildkröten auskennt, bekommen sie vor Weihnachten jedoch nicht nach Sylt.
Aktualisierung am 27.12.2023:
Törtel hat die Weihnachtstage gut überstanden. Sie frisst auch mit gutem Appetit. Wie es mit ihr dann weiter geht, wird wohl erst im nächsten Jahr entschieden. Zahlreiche Zoos haben wohl Interesse angemeldet. Sylt Aquarium würde sie selbst gern behaltzen. Wenn sie gesund ist, wäre ich für eine Auswilderung in südlichen Gefilden.
Deutsche Industrieplanung und Nordseeschutz jenseits der 12 Seemeilen Grenze
Wenn der Sylter Rettungsschwimmer Steve auf den Windpark Butendiek blickt, der rund 35 km vom Kampener Strand entfernt steht, kann er sich noch gut an die Vibrationen erinnern, die er 2015 an seinem Rettungsstand spürte, als die 80 Windmühlen in den Meeresboden gerammt wurden.
Butendiek ist der einzige Offshore Windpark, der von Sylt aus sichtbar ist. Er steht an der Grenze zum Unesco Nationalpark Wattenmeer/Walschutzgebiet, direkt in einem Vogel- und Naturschutzgebiet des Bundes.
Auch wenn manche Sylter immer noch innerlich zusammenzucken, wenn sie bei Sonnenuntergang auf die ästhetische Störung am einst makellosen Horizont blicken, haben sich wohl die meisten Insulaner und Gäste an den Anblick gewöhnt.
Man gewöhnt sich an alles- und was ich nicht weiß macht mich nicht heiss.
Aber gilt das auch für unsere Tierwelt da draussen: die Seehunde, Kegelrobben, Schweinswale und Meeresvögel? Und würden nicht mehr Bürger besorgt um diese Tierarten sein, wenn ihnen bewusst wäre, was für eine gewaltige Industrieplanung da draussen ansteht und zum Teil bereits in vollem Gange ist? Ja, wir müssen zügig das globale CO2-Problem in den Griff kriegen-aber ist es weise, alles auf eine „Wind-Karte“ zu setzen und damit die Artenvielfalt der Nordsee aufs Spiel zu setzen?
Butendiek ist nur die sichtbare Spitze eines immer grösser geplanten Netzes von Windparks in der deutschen Nordsee und den Gewässern der Nachbarstaaten. Das Gebiet jenseits der 12 Seemeilen SH-Landesgrenze untersteht Bundesgesetzen und wird seit jeher als „Ausschliessliche Wirtschaftszone“ (AWZ) bezeichnet.
Ein Begriff der geprägt wurde, als selbst Experten noch glaubten, dass unser Hausmeer nichts weiter als ein physikalischer Wasserkörper vor unserer Küste ist. Gut genug, um Chemieabfälle, Abwasser von Kommunen, Müll von Schiffen, überflüssiges Öl und anderen Unrat, wie zum Beispiel alte Munition und Sprengstoffe darin zu versenken. Natürlich auch bestens geeignet als Wasserstrasse für Tanker, Containerschiffe und als Fischereigrund, Rohstofflieferant für Öl, Gas und Kies sowie Testgebiet des Militärs.
Die Nordsee- von der Müllkippe zum gut erforschten Ökosystem
Inzwischen sind rund 50 Jahre vergangen, in denen das Bewusstsein für die Nordseenatur wuchs- der Begriff AWZ ist jedoch geblieben. Seit Mitte der 1980iger Jahre gab es zahlreiche internationale Nordseeschutzkonferenzen. Diese führten zu nationalen und internationalen Abkommen, die die Nordsee als Ökosystem mit allen darin befindlichen Lebewesen schützen sollen.
Paradoxerweise erlebten Wissenschaft und Naturschutz einen besonderen Zuwachs an Informationen über die Artenvielfalt und deren Bedürfnissen und Vernetzungen mit dem Aufkommen der Offshore-Windindustrie. Als diese um die Jahrtausendwende begann, erste Parks in bis zu 30 m tiefem Wasser zu planen, war der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gerade um das erste europäische Walschutzgebiet westlich von Sylt und Amrum erweitert worden und hielt so die Baumassnahmen auf weiten Abstand zur Küste.
Ab 2001 waren bereits zahlreiche Offshore-Windparks weiter draussen in Planung und für jeden verlangte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eine Umweltverträglichkeitsstudie. Die grossen Player der Windindustrie wie EON, RWE, EnBW, Vattenfall und viele andere Investoren mussten also ein Heer von Experten beauftragen, um ein genaues Bild der naturkundlichen und meeresökologischen Rahmenbedingungen festzustellen.
Ökologen, Ozeanographen, Ornithologen, Meeresbiologen, Walforscher und Robbenexperten sorgen seitdem für eine Fülle von Daten und Erkenntnissen, die inzwischen nachgewiesen haben, dass die Nordsee vor unserer Haustür ein sensibles Netzwerk vieler gesetzlich geschützter Arten und Biotope ist.
Inzwischen gibt es vermutlich wenige heimische Naturbereiche, die einem so intensiven Monitoring unterzogen werden, wie die Deutsche Bucht. Mit Schiffen, Flugzeugen, Schalldetektoren, Messgeräten, Bodenrobotern, Infrarot Kameras, Sonaren u.v.a.m. wird die offene Nordsee im Planungsgebiet der Windenergiefirmen minutiös untersucht. Nicht nur im Auftrag der Industrie selbst, sondern auch seitens der zuständigen deutschen Bundesämter, wissenschaftlichen Institute und Universitäten.
Inzwischen stehen hier 1.306 rund 130 m hohe Windmühlen, gebündelt in 24 Windparks. Einer davon, der besagte Butendiek, sogar in einem ausgewiesenen Vogel- und Naturschutzgebiet. Allein diese Menge führt bereits zu zahlreichen Konflikten mit den zu schützenden Artengruppen Wale, Robben, Seetaucher, Meeresenten und dem Ökosystem der südlichen Nordsee an sich, welches sich durch dynamische Schlick- und Sandböden sowie Sandriffbereiche auszeichnet und ausser dem roten Felsen von Helgoland bis zum Bau der Anlagen fast keine festen Substrate aufwies- und damit auch keine felsenähnlichen Strukturen an denen manövrierunfähige Containerschiffe und Tanker zerschellen könnten.
Wird der Nordseeschutz dem Klimaschutz zum Opfer fallen?
Nun aber, so schallt es ziemlich undifferenziert von nationalen Regierungsbänken, einschliesslich des Grünen Wirtschaftsministers, soll der eigentliche Bauboom da draussen hinter dem Horizont erst richtig losgehen. Und bei den anderen Nordseeanrainerstaaten genauso- wenn nicht noch intensiver.
Bis 2045 will allein Deutschland 70 GW Windstrom in der südlichen Nordsee und deutschen Ostsee erzeugen.Das wären bei heutigem Mühlenstandart rund weitere 14.000 Turbinen. Derzeit existieren rund 1.600 Mühlen in beiden Hausmeeren zusammen, die knapp 7.700 MW produzieren. Inzwischen ist in europäischen Planungspapieren sogar von einem 300 GW-Ausbau allein in der Nordsee die Rede. Das wird die Hausmeere für die kommenden 25 Jahre in eine lärmende Dauerbaustelle verwandeln und hörempfindliche Arten wie Robben und Schweinswale besonders hart treffen. Obwohl inzwischen wesentlich leisere Gründungen von Windmühlen möglich und marktreif sind, bleibt die Schwerindustrie bislang beim lautstarken Einhämmern der WKA-Fundamente.
Die Naturschutzverbände der Nationalpark-Küste sind alarmiert: „Wir sind sehr besorgt, dass die notwendigen Rahmenbedingungen zum Schutz der Artenvielfalt, insbesondere von Meeressäugern und Seevögeln, angesichts des Krisenmodus auf der Strecke bleiben, wenn die Planung der Bundesregierung im Nordseeraum umgesetzt wird“, sagt Kim Detloff vom NABU-Deutschland.
„Die im neuen Windenergie-auf-See-Gesetz fixierten 70 GW in der deutschen AWZ sind unseres Erachtens nicht annähernd naturverträglich darzustellen“, ergänzt der Biologe. „Die angedachten 300 GW stellen für uns sämtliche bisherigen staatlichen naturschutzpolitischen Ziele des Nordseeraumes in Frage. Vor dem Hintergrund, dass aktuell ein LNG-Terminal in den Ostsee-Nationalpark Jasmund bei Rügen genehmigt wurde, befürchten wir nun auch weitere Entwertungen der Meeresschutzgebiete in der Nordsee.“
Dabei steht schon jetzt ein Drittel der Arten in Nord- und Ostsee auf der Roten Liste und internationale Abkommen sowie europäische Richtlinien geben vor, was längst zu tun wäre. Aber statt die Meeresschutzgebiete wirkungsvoll vor Nutzungen zu schützen und optimal auszustatten, sollen nun Umweltstandards weiter aufgeweicht werden. Wir sägen am eigenen Ast. Das aus dem Weg räumen des Naturschutzes zur Beschleunigung von erneuerbaren Energien wird für nachfolgende Generationen sehr teuer werden. Völlig ignoriert werden die Leistungen natürlicher Kohlenstoffsenken im Meer.
Naturschutzverbände und Wissenschaftler schlagen Alarm
Der NABU hat eine umfassende wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben die nach dem Ampel-Prinzip die Flächen der AWZ hinsichtlich der Naturverträglichkeit von Windparks bewertet. Mit viel „Bauchschmerzen“ bleibt bestenfalls ein schmaler, grüner Streifen der AWZ zur Energieerzeugung übrig (s.Karte, Bericht).
Die Studie verdeutlicht, dass die Vorstellung davon, dass am Reissbrett abgezirkelte Schutzgebietsgrenzen ausreichen, um die Populationen bedrohter Tierarten zu sichern eine falsche Hoffnung weckt. Vielmehr handelt es sich bei den Schutzgütern überwiegend um wandernde Arten, die unterschiedliche Aufenthaltsorte im Jahres- und Lebenszyklus nutzen und dazu barrierefreie, ungestörte Wanderkorridore zwischen den von Ihnen benötigten Biotopen brauchen.
Auch die Meeres-Wissenschaftler schlagen Alarm angesichts des europaweit proklamierten Offshore-Windkraftbooms. Im September 2023 trafen sich rund 200 von Ihnen zu einer Konferenz in Stralsund, die vom Bundesamt für Naturschutz organisiert wurde. Deren Fazit wurde in 52 detaillierten Aktions-Punkten zusammengefasst, die helfen könnten, trotz eines weiteren, sanften Ausbaus der Windenergie, die Artenvielfalt in Nord-und Ostsee zu erhalten.
Das generelle Fazit lautet:
Mehr Meeresschutzgebiete ausweisen in denen die Biodiversitätsstrategie der EU wirklich Anwendung findet, wobei 30% der Fläche unter Schutz und 10 % unter strengem Schutz stehen sollte (Null-Nutzung).
nur einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie genehmigen und
dringend die Effekte der Fischerei auf das Meeresökosystem vermindern, wie etwa umweltschädliche Fangmethoden wie Grundschleppnetze langfristig in besonders sensiblen Gebieten zu verbieten
Was ist zu tun? Wer macht es?
Wenn auch sehr spät, haben Naturschützer und Meereswissenschaftler nun ausreichend detaillierte Vorschläge und Forderungen auf den Tisch gelegt, um den Ausbau der Windkraft auf See in Deutschland in naturverträgliche Bahnen zu lenken. Angesichts der des gewaltigen Zeitdrucks, der seitens der Politik und verschiedener Interessengruppen zum Thema Klimaschutz aufgebaut wird ist jedoch kaum damit zu rechnen, dass diese noch rechtzeitig und voll umfassend umgesetzt werden. Dabei ist es einfach unklug und alles andere als nachhaltig, die Klimakrise gegen die Biodiversitätskrise auszuspielen.
Wer aber wird die Forderungen umsetzen? In der Politik sieht es in dieser Hinsicht magerer denn je aus, seit die Grünen sich zur Speerspitze des technologischen Klimaschutzes erklärt haben. Viele hoffen auf die Grüne Umweltministerin Steffi Lemke, die der Meeresnatur stets verbunden war und seit je her eine den Meeresschutz stärkende Position vertritt – aber wird sie sich gegen den Klima- & Wirtschaftsminister Habeck aus der eigenen Partei durchsetzen können?
Einladung zu neuem Denken: AWZ wird MWZ
Ein erster symbolischer Schritt könnte die Umbenennung der „Ausschliesslichen Wirtschaftszone (AWZ)“ in „Marine Wildnis Zone (MWZ)“ sein. Manchmal können so kleine verbale Veränderung ein grundsätzliches Umdenken initiieren. Und genau das ist wohl nötig um aus dem Dilemma Klimaschutz versus Naturschutz herauszukommen. Es braucht ein neues Denken, einen grundsätzlichen Systemwechsel der zu Energieeinsparung und breiter, landesweiter Diversifizierung alternativer Energien führt. Weg von Gigantomanie an einem Ort hin zu kleineren Lösungen überall. Denn frei nach Einstein können Probleme bekanntlich nicht mittels derselben Denkweisen gelöst werden, die diese Probleme ursprünglich entstehen liessen.
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