Kite-Surfer riskieren den Nationalparkfrieden
/in Mensch und Umwelt, Tiere /von Lothar KochIn der heutigen Ausgabe der Sylter Rundschau wird berichtet, daß die Grünen in den Koalitionsverhandlungen mit FDP und CDU ursprünglich vereinbarte Befahrensregelungen im Nationalpark hinsichtlich des Kite-Sports wieder zur Disposition stellen. Um das noch weiter zu zementieren, greift der Branchenverband der Kitesurfer diese Kompromiss -Regelungen mit dem Naturschutz erneut an.
Kommentar:
Vorletztes Jahr feierte der Nationalpark sein 30jähriges Bestehen, vor acht Jahren wurde er zum Unesco Welterbe erklärt. Warum? Weil der Schutz der Wattenmeer-Natur von globaler Bedeutung ist. Naturschutz ist eben nicht ein „Nutzer“, der gleichberechtigte Kompromisse mit andern Nutzerinteressen zu schliessen hat. Natur-und Umweltschutz (und nach Gesetz bei uns auch der Küstenschutz), sind vielmehr die
„Geschäftsgrundlage“ der sich Hobbies in einem Schutzgebiet dieser Bedeutung nachordnen müssen. Dass sich der Branchenverband einer Sportart, die erst nach Einrichtung des Nationalparkes kam, nun wie ein traditioneller Nutzer gebiert, ist dreist. Dass er die Expertisen zahlloser Fachleute anzweifelt, die eine Scheuchwirkung der großen Drachen auf die Wat- und Wasservögel des Wattenmeeres gemessen haben, ist oberdreist. Dies zeigt, daß deren Funktionäre in rücksichtsloser „Trump-Manier“ unterwegs sind und einfach lautstark Behauptungen aufstellen, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren.
Die Störwirkung, die bei sensiblen Zugvögeln klar erwiesen ist, kann niemand in Hinsicht auf Schweinswale und Seehunde abschätzen. Inwieweit die schnellen Kiter eine Gefahr für neugeborene Meeressäuger im Walschutzgebiet darstellen ist völlig unbekannt, weil bislang gar nicht erforscht. Trotz dieser Forschungslücke und trotz der herausragenden Bedeutung des Seegebietes für Hochseevögel, ist in wachsweichen Kompromissverhandlungen den sylter Kitern die gesamte offene Nordsee und sogar ein sensibler Bereich im Watt (Hörnumer Nehrung) zugestanden worden. Deswegen beschweren sich die „Locals“ nun offenbar ja auch nicht. Dass nun sogar dieser flaue Kite-Kompromiss einer der ersten Punkte ist, die „Jamaika“ zum Opfer fallen ist peinlich für die mit Natur-Image werbende Küstenregion und gibt einen Vorgeschmack darauf, wie unsicher die über Jahrzehnte verhandelten Naturschutzbestimmungen in einer Politik mit Kubicki und Co sind. Wo bleiben die Stimmen der zahlreichen Nationalparkpartner aus Tourismus, Schifffahrt und Handel die sich eindeutig für „Natur-Vorrang-im Schutzgebiet“ aussprechen? Will die Tourismus-Region es sich wirklich leisten, einen Streit um den Nationalpark mit den Verbänden erneut vom Zaun zu brechen?
Lothar Koch
Molly fliegt wieder im Rantum Becken: Pfingstgrüße vom Albatros
/in Fundstücke und Kurioses, Tiere /von Lothar KochFestgefahren: in Sachen Verkehr und Klimaschutz bewegt sich nichts auf Sylt
/in Mensch und Umwelt /von Lothar KochDie Insel steckt an diesem Pfingstwochenende mal wieder im Stau. An vielen Stellen fließt nichts mehr. Nach monatelangen Verkehrsbehinderungen durch Strassenbaustellen, Gleisarbeiten bei der Bahn und kaputten Zügen ist es über Pfingsten schlicht die Masse der anrollenden Autos, die die Insel lahm legt.
Der Stau auf der Strasse ist nur ein Spiegel des Staus in den Köpfen vieler Entscheidungsträger der Insel. Es besteht entweder nicht der Wille, oder es fehlt der Mut in Sachen motorisiertem Individualverkehr (MIV) effektiv etwas zu verändern. „Das ist für eine Insel, die vom Klimawandel bedroht ist wirklich beschämend. Erst vor wenigen Wochen meldete das Bundesamt für Seeschifffahrt eine beunruhigende Prognose hinsichtlich des Meeresspiegelanstieges an der Nordseeküste. Die zu erwartenden Pegelstände sollen bis zum Ende des Jahrhunderts etwa doppelt so hoch werden wie bislang errechnet.
Von der reichen, touristischen Bestmarke Sylt sollte man heute eigentlich Solidarität mit jenen armen Inseln und Küsten der Welt erwarten, die bereits im Klimawandel untergehen.Statt hier vor Ort alle möglichen Maßnahmen zur CO2-Einsparung zu forcieren, passiert jedoch ausser gutachterlicher Papierstapel wenig. Erst vergangenes Jahr verliess ein eingestellter Klimaschutzmanager frustiert die Insel. Seine Stelle wurde bislang wegen Uneinigkeit zwischen den Inselgemeinden noch nicht wieder besetzt. In Sachen „Kostenlose Busfahrt auf Kurkarte“ zur Verminderung des Autoverkehrs wird seitens der insularen Tourismusmanager abgewunken: zu teuer, zu uneffektiv, vom Gast nicht gewollt. Da wird lieber der Flughafen subventioniert. Dabei ist der Zeitgeist selten so bereit wie heute gewesen, eine Verkehrs-Wende hin zu alternativen Antrieben und Fahrzeugen mit zu gehen. Sylt könnte unter den Urlaubsdestinationen jetzt noch eine Vorreiterrolle einnehmen. Aber es muss zügig gehandelt werden.
Lothar Koch
Mexiko, Neuseeland und Deutschland werden ihrer Verantwortung für aussterbende Walarten nicht gerecht.
/in Mensch und Umwelt, Tiere /von Lothar KochInterview zur aktuellen Walausstellung in der Arche Wattenmeer/Hörnum auf Sylt
Hörnum/Sylt
Der Biologe und sylter Natur-Reporter Lothar Koch führt ein Interview mit dem Walforscher Dr. Fabian Ritter, Leiter der Meeresschutzgebiets-Kampagne des WDC (Whale and Dolphin Conservation). WDC ist die weltweit führende gemeinnützige Organisation zum Schutz von Walen und Delfinen.

Walexperte Fabian Ritter (WDC): „Der Sylter „Wal-Pfad“ ist eine vorbildhafte Öffentlichkeitsarbeit für den Meeresschutz“.
L.Koch: Herr Ritter, Sie kommen gerade von der jährlichen Konferenz des Wissenschaftskommitees der IWC (Internationalen Walfangkommission) aus Slowenien nach Sylt um eine Ausstellung zum Walschutz zu präsentieren. Welche Wal-und Delfinarten sind denn weltweit am meisten gefährdet.
F. Ritter: Vaquitas, Nördlicher Glattwal (Nordkaper), Maui-Delfin und leider auch der Schweinswal in der zentralen Ostsee führen die Liste der akut vom Aussterben bedrohten Waltiere an.
Vaquita, auch kalifornischer Schweinswal genannt, stirbt gerade wegen einer mexikanischen Fischerei-„mafia“. Es gibt vermutlich nur noch weniger als 30 Tiere in der Sea of Cortez, Teilgebiet der Baja California. Die mexikanische Regierung hat auf die Warnungen der vergangenen zwanzig Jahre viel zu spät reagiert. Die Tiere sterben dort in den Stellnetzen, die für den Totoaba ausgesetzt werden, einem Fisch dessen Schwimmblase auf dem chinesischen Markt hohe Summen erwirtschaftet.
L.Koch: Können wir Deutschen denn mit erhobenem Zeige-Finger auf die Mexikaner deuten?
F. Ritter:
Nein, das steht uns nicht zu, denn unserem Ostseeschweinswal geht es ja ganz ähnlich. Schätzungen besagen es gibt gerade mal noch 450 Tiere der eigenständigen Population in der zentralen Ostsee. Dennoch werden seitens des Bundes und der Länder nur halbherzige Massnahmen ergriffen. Auch hier ist die Fischerei mit Stellnetzen die Haupt-Todesursache. Ähnlich ist es bei den Nordseeschweinswalen, die zahlenmässig zwar noch recht gut dastehen. Aber es verenden in europäischen Gewesen jährlich nach wie vor viele Tausend der kleinen Wale in Stellnetzen. Dabei gibt es spezielle Gesetze und Schutzabkommen auf Bundes- und EU-Ebene, aber deren Umsetzung erfolgt lücken- bis mangelhaft.
L.Koch: Schaut man auf die Karte der deutschen Meeresschutzgebiete, sieht das flächenhaft in Nord- und Ostsee doch ganz ordentlich aus.
F. Ritter:
Schutzgebiete sind nur so gut, wie die Massnahmen, die dort ergriffen werden. Die Managementpläne für die Meeresschutzgebiete in der deutschen AWZ sind nach Auffassung der grossen Umweltschutzverbände und Walschutzorganisationen wie der WDC eine Farce. Wir nennen sie „paper parks“, die eher einen Ausverkauf der Meere bedeuten, weil sie die brisantesten Gefährdungen dort nicht ausschliessen: Seismische Untersuchungenauf der Suche nach Erdöl und -gas, militärische Übungen und der Bau von Offshore-Windkraftanlagen. Fischerei bleibt aber auch dort das größte Problem. Sie wird nur uneffektiv eingeschränkt. Selbst der Grüne Landes-Umweltminister Habeck hat trotz fulminanter Ankündigungen in seiner Amtszeit nur eine laxe freiwillige Vereinbarung mit den deutschen Ostseefischern hinbekommen.
L.Koch: Was sind denn Ihre Forderungen an Bund und Land?
F. Ritter:
Kategorischen Vorrang für Natur in Meeresschutzgebieten. Das heisst: Regulierung und Einschränkung der Fischerei sowie flächendeckende Einführung naturschonender Fischereitechnik, die ja im Prinzip bereits verfügbar sind. Tabu für schnellen und lärmenden Schiffsverkehr, Industrieansiedlung, Sprengung von Altlasten und militärische Übungen sowie Ressourcenabbau in den sensiblen Gebieten. Generell muss weiter die Verschmutzung und Überdüngung der beiden Hausmeere durch die Landwirtschaft vermindert werden.
L.Koch: Wie bewerten Sie als weltweiter Kenner von Meeres-Schutzgebieten das Landes-Walschutzgebiet vor Sylt?
Das Schutzgebiet ist im Prinzip eine gute Sache, weil damit Schweinswale in Deutschland erstmals in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt wurden. Leider wurde bislang jedoch nur eine Maßnahme umgesetzt, die man als echte Schutzmassnahme bezeichnen könnte: die Stellnetznetzhöhe wurde begrenzt – und das auch nur für deutsche Fischereifahrzeuge. Ansonsten kann ich keine Schutzwirkung erkennen, wenn man davon absieht, dass eine Errichtung von Industrieanlagen wie Windparks hier ausgeschlossen ist.
Dabei müsste das wichtige Kalbungs- und Paarungsgebiet der heimischen Wale auch vor schnellen Flitzern und anderen Eingriffen geschützt werden. Sogar die Kennzeichnung des Gebietes in offiziellen Seekarten steht auch nach siebzehnjährigem Bestehen noch aus.
L.Koch: Herr Ritter, Ich danke für das Gespräch.
Kontakt zu Fabian Ritter:
01577-344 82 74
Lothar Koch, www.natuerlichsylt.net, Info@syltopia.de, Tel:04651/201088
Spenden
Diese Website verzichtet auf Werbung und wird ehrenamtlich erstellt. Sie dient dem Naturschutz-Netzwerk Sylt.
Seiten
Kategorien
Archive
- Februar 2025 (2)
- Oktober 2024 (1)
- August 2024 (1)
- April 2024 (1)
- Dezember 2023 (1)
- Oktober 2023 (1)
- Mai 2023 (1)
- Januar 2023 (2)
- August 2022 (1)
- Juli 2022 (1)
- Juni 2022 (2)
- April 2022 (2)
- März 2022 (4)
- Dezember 2021 (2)
- Oktober 2021 (2)
- September 2021 (1)
- Juli 2021 (1)
- März 2021 (3)
- Februar 2021 (2)
- Januar 2021 (2)
- November 2020 (5)
- Oktober 2020 (4)
- September 2020 (3)
- August 2020 (3)
- Juli 2020 (5)
- Juni 2020 (3)
- Mai 2020 (3)
- April 2020 (4)
- März 2020 (3)
- Februar 2020 (3)
- Januar 2020 (2)
- November 2019 (3)
- Oktober 2019 (5)
- September 2019 (9)
- August 2019 (7)
- Juli 2019 (3)
- Juni 2019 (3)
- Mai 2019 (9)
- April 2019 (4)
- März 2019 (2)
- Februar 2019 (3)
- Januar 2019 (2)
- Dezember 2018 (2)
- November 2018 (2)
- Oktober 2018 (5)
- September 2018 (4)
- August 2018 (8)
- Juli 2018 (4)
- Juni 2018 (7)
- Mai 2018 (2)
- April 2018 (8)
- März 2018 (4)
- Februar 2018 (6)
- Januar 2018 (4)
- Dezember 2017 (2)
- November 2017 (3)
- September 2017 (5)
- August 2017 (7)
- Juli 2017 (7)
- Juni 2017 (5)
- Mai 2017 (3)
- April 2017 (4)
- März 2017 (3)
- Februar 2017 (2)
- Januar 2017 (4)
- Oktober 2016 (3)
- September 2016 (1)
- August 2016 (2)
- Juli 2016 (2)
- Juni 2016 (11)
- Mai 2016 (7)
- April 2016 (2)
- März 2016 (7)
- Februar 2016 (9)
- Januar 2016 (7)
- Dezember 2015 (8)
- November 2015 (9)
- Oktober 2015 (6)
- September 2015 (2)
- August 2015 (2)
- Juli 2015 (2)
- Juni 2015 (3)
- April 2015 (3)
- Januar 2015 (5)
- Dezember 2014 (2)
- November 2014 (7)
- Oktober 2014 (4)
- September 2014 (3)
- August 2014 (2)
- Juli 2014 (9)
- Juni 2014 (2)
- Mai 2014 (1)
- März 2014 (1)
- Februar 2014 (1)
- Januar 2014 (1)
- Dezember 2013 (3)
- November 2013 (2)
- Oktober 2013 (1)
- September 2013 (1)
- August 2013 (1)
- Juli 2013 (4)
- Juni 2013 (1)
- Mai 2013 (3)
- April 2013 (4)
- März 2013 (1)
- Februar 2013 (1)
- Januar 2013 (2)
- Dezember 2012 (2)
- November 2012 (1)
- September 2012 (2)
- August 2012 (1)
- Juli 2012 (1)
- Juni 2012 (4)
- Mai 2012 (5)
- April 2012 (6)
- März 2012 (9)
- Februar 2012 (5)
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.